Der grosse Radar-Bschiss
Radarfallen spielen Millionen ein, aber sie sind nicht unfehlbar. Eine neue Studie zeigt: 80 Prozent aller Messergebnisse sind mangelhaft – trotz Hightech.

Kritiker Hansruedi Schenker (Radar-Info-Zentrale) kämpft seit 17 Jahren gegen Radar-Abzockerei. (Severin Nowacki)
Peinliches Eingeständnis der Kantonspolizei Waadt: Ein defektes Radargerät an einer Kreuzung in Lausanne blitzte fast drei Monate lang Tausende korrekt fahrende Automobilisten. Es hagelte Reklamationen – die Behörden mussten 3000 Bussen zurückerstatten. Hansruedi Schenker, einer der wenigen Schweizer Experten auf dem Gebiet der Radarkontrollen, ist nicht überrascht: «Schlimm sind Verkehrspolizisten, die bei mobilen Kontrollen schlampig arbeiten.»
Eine vom Automobilclub von Deutschland (AvD) publizierte Studie beweist, wie recht er hat: Die Tester untersuchten 1810 Fälle von gebüssten Autofahrern. Resultat: Mehr als 80 Prozent der Geschwindigkeitsmessungen wiesen Mängel auf. Die Verkehrsbeamten verwechselten Fahrzeuge, stellten Messgeräte falsch auf oder waren einfach zu schlecht ausgebildet, um Radarkontrollen durchzuführen. Nur 20 Prozent der Geschwindigkeitsmessungen waren einwandfrei!
Durch diese Studie alarmiert, fordern die Schweizer Automobilverbände jetzt Massnahmen. «Es ist eine Tatsache, dass es in der Schweiz schon zu Fehlern bei der Radarmessung gekommen ist», sagt ACS-Direktor Niklaus Zürcher. «Im Interesse des Gesetzgebers sollte es jetzt eine Studie geben.» TCS-Sprecher Stephan Müller pflichtet bei: «Bei solchen Unsicherheiten braucht es dringend eine Untersuchung.»
Hansruedi Schenker kennt die Messgeräte und Messmethoden der Polizeikorps. Seit 1993 amtet er als technischer Geschäftsführer der Radar-Info-Zentrale. Auch er hält eine Studie für dringend nötig: «Ich schätze, dass 80 bis 85 Prozent der mobilen Geschwindigkeitskontrollen mangelhaft sind.» Mobile Kontrollen haben in der Schweiz einen Anteil von 44 Prozent. Laut Hansruedi Schenker ist somit mehr als ein Drittel aller Messungen mangelhaft.
Walter Fasel, Chef der Sektion Verkehr beim Bundesamt für Metrologie (Metas), will von Fehlern nichts wissen: «In der Schweiz kommt das selten vor. Jedes Messergebnis lässt sich nachträglich überprüfen und nachvollziehen.» Das Metas kontrolliert und überwacht die Messungen landesweit.
Stefan Guggisberg, Verwaltungsratspräsident des schweizweit grössten Radargeräteherstellers Multanova AG, sieht es genauso: «Unsere Geräte arbeiten so präzise, dass es nicht einmal einen Toleranzbereich bräuchte.» Dennoch haben Fasel und Guggisberg nichts gegen eine Studie einzuwenden. Fasel: «Fehler können passieren – hinter den Messungen stehen immer Menschen.»
Eine vom Automobilclub von Deutschland (AvD) publizierte Studie beweist, wie recht er hat: Die Tester untersuchten 1810 Fälle von gebüssten Autofahrern. Resultat: Mehr als 80 Prozent der Geschwindigkeitsmessungen wiesen Mängel auf. Die Verkehrsbeamten verwechselten Fahrzeuge, stellten Messgeräte falsch auf oder waren einfach zu schlecht ausgebildet, um Radarkontrollen durchzuführen. Nur 20 Prozent der Geschwindigkeitsmessungen waren einwandfrei!
Durch diese Studie alarmiert, fordern die Schweizer Automobilverbände jetzt Massnahmen. «Es ist eine Tatsache, dass es in der Schweiz schon zu Fehlern bei der Radarmessung gekommen ist», sagt ACS-Direktor Niklaus Zürcher. «Im Interesse des Gesetzgebers sollte es jetzt eine Studie geben.» TCS-Sprecher Stephan Müller pflichtet bei: «Bei solchen Unsicherheiten braucht es dringend eine Untersuchung.»
Hansruedi Schenker kennt die Messgeräte und Messmethoden der Polizeikorps. Seit 1993 amtet er als technischer Geschäftsführer der Radar-Info-Zentrale. Auch er hält eine Studie für dringend nötig: «Ich schätze, dass 80 bis 85 Prozent der mobilen Geschwindigkeitskontrollen mangelhaft sind.» Mobile Kontrollen haben in der Schweiz einen Anteil von 44 Prozent. Laut Hansruedi Schenker ist somit mehr als ein Drittel aller Messungen mangelhaft.
Walter Fasel, Chef der Sektion Verkehr beim Bundesamt für Metrologie (Metas), will von Fehlern nichts wissen: «In der Schweiz kommt das selten vor. Jedes Messergebnis lässt sich nachträglich überprüfen und nachvollziehen.» Das Metas kontrolliert und überwacht die Messungen landesweit.
Stefan Guggisberg, Verwaltungsratspräsident des schweizweit grössten Radargeräteherstellers Multanova AG, sieht es genauso: «Unsere Geräte arbeiten so präzise, dass es nicht einmal einen Toleranzbereich bräuchte.» Dennoch haben Fasel und Guggisberg nichts gegen eine Studie einzuwenden. Fasel: «Fehler können passieren – hinter den Messungen stehen immer Menschen.»
Hier einige Beispiele:
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Eine Radarfalle in Solothurn verwechselt Reisecars mit Lastwagen: Über den unschuldigen Carchauffeuren geht ein Blitzgewitter nieder.
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Die Kapo Schwyz setzt den Toleranzwert zu niedrig an – 200 Lenker bekommen ihr Geld zurück.
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Der Blechpolizist einer 60-km/h-Strecke ist auf 50km/h programmiert. Die Stadtpolizei Zürich muss 30000 Franken zurückzahlen – weiss aber aus Datenschutzgründen nicht, an wen.
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Weil eine Radarfalle in Zürich falsch konfiguriert ist, müssen 870 Bussen annulliert werden.
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Stadtpolizisten in Bern bemerken nicht, dass ihr mobiles Messgerät statt auf Tempo 50 auf 40km/h eingestellt ist. 15 Gebüsste bekommen ihr Geld zurück.
